Sportler im Psychostress

Wer kennt sie nicht die Größen des Sports. Man ist beeindruckt von ihrem Auftreten, ihrem Erfolg und ihrer Prominenz.

Die Schattenseiten registriert man nicht. Das ist auch gut so; denn die gehn niemanden etwas an.

Als Außenstehender kann man nur erahnen, welchen Belastungen Spitzensportler ausgesetzt sind :

Die Angst vor dem Versagen wie vor dem Erfolg, die Beschämung durch eine Niederlage, der Druck der Öffentlichkeit, die Enttäuschung von Trainer und Publikum, der Verriß durch die Medien, der Verlust von Sponsoren, der Imageverlust und damit die existentielle Bedrohung durch Einkommenseinbußen – von möglichen gravierenden Verletzungsfolgen beim Sport ganz zu schweigen.

Grundsätzlich läßt sich sagen, dass Spitzen-sportler einem enormen Druck ausgesetzt sind, der zum einen hausgemacht d.h. selbst verursacht ist, zum anderen Ergebnis ihrer Öffentlichkeit.

Der selbstgesetzte Anspruch, wenn möglich immer Höchstleistungen zu bringen , wirkt einerseits als Ansporn andererseits als psychische Belastung, der die meisten Sportler nur mit Mühe begegnen können, wenn sie den eigenen Leistungsansprüchen nicht genügen.

Der berechtigte Anspruch, den Trainer und Management an den Sportler stellen, wird im allgemeinen dann zur schweren, unerträglichen Belastung, wenn die erwartete Leistung nicht gebracht wird.

Den eigenen erwarteten Leistungsvorstellungen nicht entsprechen zu können, diese Erfahrung gehört zum Leben jedes Sportlers.

Die Frage ist nur: wie geht er / sie damit um?
Welche Möglichkeiten nutzt er / sie, um erlebte Leistungseinbrüche zu handhaben.

Hierzulande wird die Kenntnis eines Fachmannes kaum genutzt, um erlebte Leistungsschwächen auszugleichen oder(verloren gegangenes) Leistungspotential aufzubauen oder weiter zu entwickeln. Man fragt sich weshalb.

Zum einen liegt es wohl daran, dass die sportliche Leistung im wesentlichen auf das praktische Training zurückgeführt wird und nicht auf mentale Arbeit. Dabei ist es offensichtlich, dass ohne den Kopf d.h. ohne geistige Anstrengung gar nichts passieren kann.

Die Vermutung liegt nahe, dass so mancher, der als Trainer unterwegs ist,
für sich die Kompetenz beansprucht entscheiden zu können, was für den Sportler gut und notwendig ist, ob ein mentales Training bzw. eine sportpsychologische Unterstützung erforderlich ist oder nicht.Dabei kommt es nicht selten zur extremen Überschätzung der eigenen Möglichkeiten.

Es geht dem Triner dann nicht darum, dem Sportler die bestmögliche Entwicklung seiner Leistungskompetenz zu ermöglichen, sondern um die Darstellung der eigenen Person und die Bewahrung der eigenen dominanten Position im Trainer-Sportler-Verhältnis.

Nicht wenige Trainer befürchten durch das Engagement eines Fachmanns den Einfluss auf den Sportler, ihren “Schützling” zu verlieren.
Kennzeichnend ist in solchen Fällen, dass der Triumph des Sportlers vor allem dem Trainer zufällt, das Versagen des Sportlers allerdings dem Sportler selbst.

Dennoch wird dem mentalen Training zunehmend Bedeutung beigemessen , eine Bedeutung, die ihm auch tatsächlich zukommt.
Es wird nicht mehr übersehen, dass Untersuchungen herausgefunden haben, das erst die Einheit von mentalem und praktischem Training die sportliche Höchstleistung ermöglicht.

Das schlechte Image des mentalen Trainings ist wohl auch darin begründet, dass derjenige, der sich an einen psychologischen Fachmann wendet, um seine Leistungsdefizite auszugleichen, in die Nähe eines “Kranken” gerückt wird. Der gängige Spruch : “Der hat`s wohl nötig!” charakterisiert die Situation.

Wichtigster Grund für die widersprüchliche Haltung zum mentalen Training ist meiner Meinung nach allerdings, dass die verwendeten Verfahren nicht optimal sind.

Sie leiden darunter, dass sie nicht die Kenntnisse der Gedächtnispsychologie berücksichtigen, dass sie nicht aus spezifischen Annahmen zur Gedächtnistätigkeit entwickelt wurden.

Um Leistungsentwicklung und – optimierung zu erreichen, genügt es nicht, den Sportler innerlich Bewegungsabläufe wiederholen zu lassen, wenn auch das bereits – wie Untersuchungen zeigen – effktiv ist.

Hocheffiziente Verfahren zur Leistungssteigerung lassen sich nur entwickeln, wenn man über spezifische Annahmen und Kenntnisse zur Gedächtnistätigkeit verfügt.

Erst dann läßt sich die Dynamik der mentalen Prozesse erfassen, die jeder sportlichen Leistung zugrunde liegen, läßt sich Leistungssteigerung und – optimierung gezielt erreichen.

Erst wenn man beispielsweise weiß, dass im Gedächtnis Leistungserfahrungen in besonderer Weise gespeichert sind, z.B. hintereinander oder vertikal, wenn man weiß, wie positive Leistungserfahrungen gedächtnismäßig verankert sind und wie negative, kann man gezielt Leistungseinbrüche beheben und Leistungs-potentiale entwickeln.

Die von mir im Ergebnis meiner Forschungsarbeit (zu mentalen Prozessen) entwickelten Verfahren tragen dem selbstverständlich Rechnung und sind deshalb von besonderer Effizienz.

Meine langjährige erfolgreiche Arbeit mit nationalen und internationalen Spitzensportlern zeigt das.

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