Metaphern im Coaching: das ´burn-out`

Unsere Sprache ist ´durchtränkt` von Metaphern. Weshalb? Die bildhafte Beschreibung der Realität ermöglicht uns unterschiedlichste Sachverhalte auf einfache und bequeme Weise zu beschreiben, uns und anderen mitzuteilen und verständlich zu machen.

Dabei wandelt sich die Bedeutung einer Metapher mit der Absicht derer, die sie verwenden, verändert sie sich abhängig vom Kontext und der mit ihr verknüpften Konnotationen.

So können immer wieder andere, unbekannte Aspekte eines Sachverhalts ´aufscheinen`, sich bislang verborgene Facetten eines Gegenstandes, einer Handlung, eines Geschehens ´enthüllen` und wiederum andere Merkmale einer Gegebenheit ´sich verhüllen`.

Insofern als sich jeder Sachverhalt ´unter unseren Händen` in eine Metapher verwandeln kann, lässt sich auch das ´burn-out` als Metapher verstehen.

In dieser Metapher versuchen wir für uns Bedeutsames zusammen zu fassen, unterschiedlichste Bedeutungen zu vereinigen, verknüpfen sich in ihr auf besonders eindringliche, spürbare Weise widersprüchliche Tatbestände.

So kann ein Mitarbeiter, eine Führungskraft, die mit ihren materiellen Arbeitsbedingungen unzufrieden ist, die mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten nur mühsam oder gar nicht zurecht kommt, aber sich von diesen existentiell abhängig erlebt durch das ´burn-out` anzeigen, dass sie Arbeitsverhältnisse, in denen sie sich unterdrückt, benutzt und mißachtet erfährt, nicht mehr akzeptieren will und / oder kann.

Im ´burn-out` spiegeln sich Wut und Verbitterung, Enttäuschung und Verzweifelung über erlittenes Unrecht und erfahrene Erniedrigung wieder, ebenso wie das Bedürfnis nach Autonomie und Respekt und die auswegslose Abhängigkeit, der man als Arbeitskraft nicht entkommen kann.

Im Lauf der Zeit kann eine Metapher ihre Qualität verändern, den Bedeutungsumfang vergrößern, den ´Einzugsbereich` erweitern.
Bezogen auf das ´burn-out` heißt das, es kann zu der anfänglichen Bedeutung ebenso auch die Probleme im Umgang mit der Familie, mit Freunden und Bekannten zum Ausdruck bringen.

Es kommt zur Verknüpfung unterschiedlichster (auch widersprüchlicher) Erfahrungen, die sich im ´burn-out` treffen und verdichten.

Das ´burn-out` verliert seinen ursprünglichen Charakter, es verallge-meinert sich und wirkt Kontexte übergreifend. In dem Moment, in dem der Coach gerufen wird, hat es normalerweise eine hohe Stufe der Verallgemeinerung erreicht und verdichtet in sich Geschehnisse aus diversen Kontexten.

Jetzt geht es darum heraus zu finden, welche Bedeutungen das ´burn-out` angenommen hat. Man fragt sich u.a. was, wann, wie in welchem Handlungs- und Ereigniszusammenhang, wem gegenüber, mit welcher Absicht und zu welchem Zweck auf diese Weise kommuniziert wird.

Dabei ist zu beachten, dass die Kommunikation mit der Welt, die jemand über das ´burn-out`realisiert, nicht den Regeln des kohärenten Austausches entspricht.

Ich kann mit dem ´burn-out`leugnen,

1. dass ICH PERSÖNLICH etwas geäußert habe
2. dass ich ETWAS MITGETEILT habe
3. dass ich EINEM ANDEREN etwas mitgeteilt habe
4. dass ich IN EINEM BESTIMMTEN SITUATIONSZUSAMMENHANG einem
anderen etwas mitgeteilt habe

Diese Regelverletzungen gestatten eine Interaktion in der zugleich Akzeptanz und Leugnung möglich sind. Das ´burn-out`wird zum Mittel um die Interaktion zu regulieren.

Die Regelverletzungen sind aufzudecken und in der weiteren Bearbei- tung des ´burn-out` zu berücksichtigen.

Indem die kohärenten Regeln der Interaktion angewendet werden, soll das ´burn-out` seiner Metaphorik entledigt werden und in seinen wesentlichen Bedeutungen entfaltet werden.

Dabei wird der unter dem ´burn-out` Leidende auch als der verant-wortlich Handelnde ermittelt, was allerdings bei der betreffenden Person häufig auf Ablehnung stößt.

Dies ist insoweit gerechtfertigt als das der Betroffene gemeinhin die Verhältnisse, unter denen er arbeitet, vorfindet und daran üblicherweise nichts ändern kann.
Allerdings enthebt dieser Sachverhalt nicht von der Verantwortung
sorgsam mit sich umzugehen. Im Gegenteil, je schwerer die Arbeitsverhältnisse um so achtsamer sollte man mit sich umgehen.

Im Folgenden werden die wirklichen Zwecke, die Ziele und Absichten der durch das ´burn-out motivierten Handlungen ermittelt, die Adressaten dieser Handlungen und die Kontexte, in denen gehandelt wird.

Die konkrete Analyse ermittelt zudem die psychischen Handlungs-voraussetzungen, die Fähigkeiten und Gefühle, Überzeugungen und Lebenshaltungen, die geeignet sind, das ´burn-out` aufzulösen.

Die Aneignung der psychischen Handlungsvoraussetzungen, die zur Auflösung des ´burn-out`führen wird mit dazu geeigneten mentalen Techniken realisiert. siehe: Hinter die Erinnerung schauen.

Hierbei wird angenommen, dass nur nur dann ein ´burn-out`entwickelt wird, wenn jene körperlichen und psychischen Ressourcen fehlen,
die ein anforderungsgerechtes und d.h. ein realitätsgerechtes Handeln
erfordert.

Vorausgesetzt ist dabei jedoch, dass die gegebenen Arbeitsbedingun- gen eine produktive Veränderung tatsächlich gestatten; die wirklichen Lebensverhältnisse sind es, die den Rahmen abgeben für mögliche Veränderung.

Wird realitätsgerechtes Handeln möglich, wird das ´burn-out`hinfällig.

Bedingung ist allerdings, dass das ´burn-out` sich noch nicht unwiderruflich schädigend auf die körperliche und psychische Verfassung ausgewirkt hat.

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