Die Therapie umerzogener Linkshänder

Weshalb die rechte Hand ´das schöne Händchen`heißen soll, ist mir schleierhaft bzw. nur erklärlich, wenn ich an meinen Marokkourlaub denke, in dem mir auffiel, dass die Einheimischen, während sie mit der rechten Hand aßen, die linke Hand unter dem Tisch hielten, weil sie als unrein gilt.

Das das in unserm Land der wahre Grund dafür ist, weshalb bei uns jahrzehntelang Linkshänder zu Rechtshändern umgeschult wurden, kann ich allerdings nicht glauben.

Welche Ursache es auch immer haben mag, Fakt ist, dass das Schreiben mit der linken Hand lange Zeit als merkwürdig erlebt wurde.
Wie sehr Rechtshändigkeit auch heute noch Normalität ist, zeigt sich daran, daß es gar nicht so einfach ist in einem Geschäft z.B. eine Schere für einen Linkshänder aufzutreiben. Dabei sind ca 50% der Bevölkerung potentiell Linkshänder.

Erst seit kurzem wird dem Thema ´der umerzogenen Linkshänder` von den Eltern und der Schule mehr Raum gewidmet, da das Leiden dieser Personen nicht mehr zu übersehen ist. Man hat nämlich festgestellt, dass sehr häufig
psychische Instabilität, depressive Gestimmtheit,aggressives Verhalten, Leistungsversagen, Konzentrationsschwäche, eine Behinderung der Gedächtnisleistung auf die Umerziehung der Händigkeit zurückzuführen ist.

Warum ? Weil die Händigkeit direkter Ausdruck der Funktionsteilung unserer Gehirnhälften ist. Wird auf die natürliche Händigkeit nicht Rücksicht genommen und ein Linkshänder zu einem Pseudorechtshänder umerzogen, dann greifen wir damit direkt in die Funktionsweisen unseres gesamten Gehirns ein.

Bei einem Rechtshänder ist die linke Gehirnhälte die dominante d.h. die stärkere , bei einem Linkshänder ist es genau umgekehrt.
Wird ein Linkshänder zu einem Quasirechtshänder umerzogen kommt es zu einer Überforderung seiner schwächeren nämlich der linken Gehirnhälfte und zu einer Unterforderung und Schwächung seiner stärkeren rechten Gehirnhälfte.

Und das macht enorme Probleme. Ein Teil des Gehirns läuft auf Hochtouren, der andere Teil wird blockiert. Kein Wunder das sich umerzogene Linkshänder sehr häuffig dumm und verunsichert fühlen. Sie haben keine Chance auf die bei ihnen tatsächlich vorhandenen Fähigkeiten zurückzugreifen.

Die Rückschulung auf die Linkshändigkeit ist ein
gutes Mittel, um die Schieflage zu beseitigen, allerdings ist darauf zu achten, dass die Rückkehr zu der genetisch vorgegebenen Händigkeit behutsam erfolgt. Wenn man soetwas für das Kind vorsieht, dann sollte man sich erst einmal an entsprechende Fachleute, an den Schulpsychologen, den Kinderarzt oder die Lehrer wenden.

In jedem Fall ist es gut bei seinem Kind darauf zu achten
1. bei welchen Tätigkeiten es die linke oder rechte Hand benutzt
2. das Kind selbst entscheiden zu lassen, ob es den Löffel in die eine oder andere Hand nehmen will oder mit welcher Hand es schreiben möchte. Die Händigkeit stabilisiert sich erst mit der Zeit
3. Hellhörig sollten sie werden, wenn ihr Kind beim Schreiben häufig über Verkrampfung und Ermüdung der Hand klagt
4. Da es anscheinend einen Zusammenhang zwischen der Lese-Rechtschreibschwäche und einer ´falschen`Händigkeit`
gibt, achten sie darauf, wie ihr Kind schreibt, ob es Buch-staben vertauscht, ausläßt oder hinzufügt.

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