Das Methusalem-Projekt

Das waren noch Zeiten als man sein Leben behaglich und ohne Qual der Wahl zwischen Seniorenteller und Krückstock verbringen konnte.

Sich im Restaurant den goldenen Seniorenteller (für langes Sitzen und geringen Appetit) verdient zu haben, galt früher als als große Leistung . Heute ist das anders.

Die Jogginghose gehört für viele zwar noch zur Grundausstattung, ist jedoch nicht mehr allein
des kleinen Mannes Hausanzug. Es wird tatsächlich gejoggt. Darüberhinaus locken PC , Fern- und Abenteuerreisen den älteren Menschen ins Leben.
Woher kommt das bloß ?

Die sog. Globalisierung, die Komplexität unserer Gesellschaft, das Arbeitsleben in seiner Dynamik, die dort geforderte Flexibilität und Schnelligkeit, die Einblicke, die Medien und eigene Anschauung in das Leben an anderen Enden der Welt geben, der relative Wohlstand – durchschnittlich soll jedes Rentnerehepaar über mehr als 1400,- Euro zum Verleben verfügen (man glaubt es kaum) und die Gesundheit vieler, stimulieren mehr Menschen als je zuvor, bis ins hohe Alter aktiv zu sein.

Zwar hilft die allgemeine Lebensgestimmtheit, auch im Alter vitaler und aktiver zu leben. Will man es aber richtig machen, dann sollte man sich auf die Zeit nach der Berufstätigkeit gut vorbereiten. Die mittleren Lebensjahre sollten mehr als ´Vorspiel` auf ein aktives Alter verstanden werden.

Sich zu fragen :

- Womit möchte ich mich in den nächsten Jahren näher befassen ?
- Wo möchte ich leben und was dort tun ?
- Welchen Interessen möchte ich folgen ? z.B. :Gedächtnistraining ?
- Wie möchte ich meine Kontakte zu anderen gestalten ?
- Was kann ich tun, um die eigene Gesundheit auf Vordermann zu bringen oder angenehm zu
erhalten ? Wäre es möglicherweise ganz nützlich sich einmal darüber zu informieren, wie
physische und psychische Prozesse im Alter ablaufen ?
- Gibt es etwas , wofür ich mich engagieren möchte ?
- Was kann die kleine Freuden des Alltags toppen ?( Gibt es vielleicht jemanden, dem
ich noch mal gut vorbereitet und richtig die Meinung sagen möchte ?)

Tatsächlich kann das Ende des Arbeitslebens – egal ob man die Arbeit geliebt hat oder nicht -
ohne innere und äußere Vorbereitung zur Hölle werden.
Findet der Verlust der bisherigen Lebensbezüge und – rythmen keine Alternative, dann droht depressive Verstimmung.

Dass sich viele nicht bewußt auf den Zeitraum nach der Berufstätigkeit vorbereiten, liegt wohl u.a. daran, daß man denkt, es würde sich alles von alleine regeln. Ein Irrtum !
Geistige und körperliche Beweglichkeit verlangen Interesse an der Welt.
´Jund`und dynamisch erscheint uns eine ältere Person dann, wenn sie sich für gesellschaftliche Belange und Themen ebenso interessiert wie für ihre direkte Lebenswelt,
wenn sie sich auch weiterhin für Fragen der Arbeitswelt interessiert, am kulturellen Leben teilnimmt, sich weiterbildet und lernt, reist, um das Leben zu genießen und Neues zu erfahren
und aktiv ist, weil das Leben Aktivität bedeutet.

Inwieweit das Fit- und Jungsein im alter von den Genen abhängt, das mögen die Genforscher beurteilen. Ansonsten kann das Alter zu einer Zeit werden, in der man sich bewußt mit seiner eigenen Entwicklung, mit der Gestaltung des eigenen Lebens außerhalb der Leistungs-orientierung der Gesellschaft befaßt. Da können wir getrost von den alten Indern lernen. Die konnten das schon vor 4000 Jahren.

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