Der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte spricht mit Hinweis auf die Zahl der Demenzerkrankungen in unserer Gesellschaft von einer ´tickenden Zeitbombe` . Deshalb komme ihrer Früherkennung besondere Bedeutung zu. Dies geschehe allerdings noch ungenügend.

Die häufigste Demenzerkrankung ist morbus Alzheimer. Es kommt dabei zu einer langsamen Zerstörung von Nervenzellen und damit zur Zerstörung des Gehirns und des Gedächtnisses. An dieser Erkrankung leiden ca 70% der Dementen. Zur Zeit gibt es ca 700 000 Alzheimer-Patienten und jährlich kommen seinem Berufsverband zufolge 200 000 Erkrankungen hinzu.

Nur ca 13% der Alzheimer-Patienten, die sich in gesetzlichen Krankenversicherungen befinden,werden nach modernen Gesichtspunkten behandelt. 50 000 Patienten werden nach Ansicht von Dr. Bergmann gänzlich unzureichend versorgt.

Im Verlauf der Alzheimer-Erkrankung lassen sich grob 3 Krankheitsphasen unterscheiden:

Im 1. Stadium (leichte Demenz)erlahmt die Aktivität, die Spontaneität und Eigeninitiative des Patienten. Die Gedächtnisleistung schwindet, Lern- und Reaktionsfähigkeit lassen nach, nicht nachvollziehbare Gemütsschwankungen nehmen zu.

Für Freunde und Verwandte, für Berufskollegen macht sich die Vergesslichkeit bei der Arbeit und im Alltag störend bemerkbar.
Sprachprobleme treten auf, einfachste Worte werden vergessen und stattdessen werden unpassende Füllworte verwendet. Sätze werden schwer verständlich.
Die betreffende Person weiß z. B. auf der Straße plötzlich nicht mehr wo sie hingehen möchte bzw. wo sie sich befindet, was sie gerade machen wollte oder was sie gerade gemacht hat.

Das 2. Stadium ( mittlere Demenz)ermöglicht der erkrankten Person im Allgemeinen noch alltägliche Dinge eigenständig zu regeln, bei komlexeren Aktivitäten ist jedoch zunehmend Unterstützung erforderlich. Die Sprechfähigkeit und Sprache schränken sich wahrnehmbar ein. Die Wortfindung ist stark eingeschränkt, es werden Worte erfunden.

Die Konzentration lässt rapide nach. Die erkrankte Person verliert häufig ´den Faden`. Die Patienten erleben den Verlust der eigenen Fähigkeiten als extrem belastend und reagieren depressiv , reizbar und ruhelos. Die Stimmungsschwankungen sind dramatisch.

Das Kurzzeitgedächtnis geht zunehmend verloren. Die Erinnerungsschwäche für aktuelle Ereignisse prägt sich zunehmend aus, während weit zurückliegende z.T. reativ gut erinnert werden.
Die räumliche und zeitliche Orientierung verschwindet zusehends. Vertraute Gesichter und Personen , der Ehepartner, die Kinder werden nicht mehr erkannt.

Im 3. Stadium (schwere Demenz) ist das Gedächtnis in entscheidenden Aspekten schwer gestört. Personen werden nicht mehr erkannt. Der Betroffene benötigt eine Rundumbetreuung/-pflege. Die Fähigkeit, die Blase und den Darm zu kontrollieren geht verloren. Das Gehen fällt sehr schwer. Gangunsicherheit nimmt zu. Es kommt gehäuft zu Stürzen. Die Bettlägerigkeit nimmt zu.

Am Ende versteifen die Patienten, sie können weder kauen noch schlucken. Weitere Erkrankungen treten verstärkt auf, insbesondere schwächen Infektionskrankheiten den Patienten. Die Infektion der Atemwege bildet die häufigste Todesursache.

Bis heute gibt es keine Möglicheit, die AlzheimerErkrankung aufzuhalten geschweige denn rückgängig zu machen. Man hofft zur Zeit insbesondere auf Medikamente aus der gentechnischen Forschung.
Auch wenn es bislang keine grundlegenden Behandlungsmöglichkeiten gibt, die eingeschlagenen Wege lassen hoffen.

Die von Frau Dr. Sabine Ladner-Merz in der Schweiz durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass ein spezifisches Training bestimmter HIrnfunktionen d.h. ein gezieltes Gedächtnistraining den Abfall der kognitiven Leistungen bei Alzheimer-Patienten verzögert und ihnen damit Lebensqualität schenkt.

Es hat sich herausgestellt, das solch ein Training iIn keinem Fall Stress oder Leistungsdruck hervorrufen darf und die Patienten zum möglichst frühesten Zeitpunkt zu solchem Gedächtnistraining zu ermutigen sind. Bevorzugt sind hierbei die Gebiete zu fördern, in denen die Patieenten kompetent sind.
Ziel des Gedächtnistrainings ist die Vermittlung von Erfolgserlebnissen, die das Selbstwertgefühl erhöhen.
Es ist das zu fördern, was dem Erkrankten gut tut und alles zu unterlassen, was ihn frustriert.

Neben dem Gedächtnistraing und anderen sozial-/psychotherapeutischen Maßnahmen, die dem Patienten ermöglichen in seinem Leben – so gut es geht- Freude und Spaß zu erleben (wie z.B. gemeinsame Spiele und Bewegungsübungen mit anderen Betroffenen) , kommt vor allem natürlich der medikamentösen Behandlung Bedeutung zu. Wirkstoffe, die den Krankheisverlauf abbremsen d.h. den Abbau des Nervenbotenstoffes Acetylcholin heißen Galantamin und Donepezil. Pflanzliche Präparte wie Gingo biloba haben sich ebenfalls als nützlich erwiesen.

Für Freunde und Verwandte ist darauff hinzuweisen, dass die Pflege eines Alzheimer-Erkrankten
äußerst schwierig ist und am besten von Fachkräften zu leisten ist.

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